Shiogama

Man muss den Eltern ja immer etwas Neues bieten! Das ist in einer Region wie Sendai, welche kulturell gesehen immer etwas im Hintertreffen zu den Fürstentümern im Süden Japans war, nicht immer ganz einfach, ohne längere Strecken zu fahren. Heute ging es aber einmal zu einem leichteren Ziel – Shiogama. Shiogama liegt nur eine halbe Stunde von Sendai entfernt und hat den größten Thunfischfanghafen Japans.

Shiogama03Das eigentliche Highlight ist aber eine große Tempelanlage, welche von Liebenden sowie insbesondere auch von kleinen Kindern, in regelmäßigen Abständen besucht werden soll. Der Tempel ist sehr ansehnlich, das eigentliche Highlight war aber eine stattfindende Hochzeit. Man stelle sich das einmal in Deutschland vor: Man heiratet in der örtlichen Kirche und im Rundgang laufen die Besucher der Kirche herum, Shiogama01als ob gerade nichts los wäre und läuten dazu auch noch in regelmäßigen Abständen die Glocken. Unvorstellbar? Tja, hier in Japan ist alles ein wenig anders! Hier konnte jeder die Hochzeitsgesellschaft beobachten und trotzdem standen die Glocken zum Beten eigentlich nie still. Ich als Bräutigam wäre aber garantiert genervt gewesen. In Anbetracht der Dauer der Zeremonie und bei dem Zeitraum, in dem man Shiogama02dafür stehen musste, wäre die Gefahr bei mir aber letztendlich wohl gering, da ich nach kürzester Zeit wohl eingeschlafen wäre. So eine Zeremonie geht natürlich nicht nur ein paar Minuten. Man betet, wird rituell gereinigt und die Mikos führen traditionelle Rituale vor. Währenddessen stehen Braut und Bräutigam am jeweils anderen Ende des Tempels, bis sie sich nach einer gefühlten Ewigkeit dann endlich in der Mitte des Raumes treffen dürfen.

Shiogama04Im Anschluss an den Besuch des Tempels ging es dann zum Hafen, wo meine Eltern erst einmal frisch gefangenen Fisch und Meeresfrüchte probierten, während Orsolya sich mit einem Standverkäufer für eingelegtes Gemüse anfreundete und uns so mehrere kostenlose Proben besorgte. Man muss schon zugeben, mit ihren sehr guten Japanisch-Kenntnissen macht sie hier schon sehr viel Endruck und die Leute honorieren das dementsprechend!

Ein weiteres Highlight des Tages sollte dann das Abendessen werden. Schon zwei Tage zuvor hatten wir vier Pltze in einem japanischen Restaurant gesichert, welches Sendaier Spezialitäten anbietet. Den Ehrenplatz erhielt dabei mein Vater. Er saß neben der lebensgroßen Puppe einer Sendaier Persönlichkeit und sah ihr auch noch ähnlich. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es einen Mönch welchem nachgesagt wurde, dass er Glück brachte, wenn er ein Restaurant besuchte. Dieses Glück gab es letztendlich sogar wirklich, da seine Anwesenheit als Zeichen guten Essens gesehen wurde. Deshalb kehrten die Sendaier anschließend ebenfalls dort ein und ermöglichten somit den Besitzern das Geschäft ihres Lebens. Seit diesen Tagen ist es nun in den Restaurants von Sendai Tradition, ein Foto oder ähnliches von diesem Mönch aufzustellen. Im Falle dieses Restaurants ging man aber noch einen Schritt weiter und setzte eine Puppe auf einen Tresenplatz. Sie blockiert diesen Platz ständig, hat einen Teller vor sich zu stehen und verfügt so immer über gutes Essen. Bei ungenauer Betrachtung sieht das dann schon mal so aus, als ob man neben jemandem sitzt. Aber auch das Essen war sehr gut und wir konnten meinen Eltern einige Neuheiten zeigen, welche sie wohl so noch nicht gegessen hatten. So langsam haben wir damit alle Spezialitäten Japans abgedeckt.

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