Mal wieder ein Fest

Sendai_02_0Nach dem Stadtfest am Vortag waren wir heute in eine Schule eingeladen. Schon seit Jahren reizt mich die Aussicht, einmal eine japanische Schule von innen zu sehen. Zu viel habe ich von den Lernmethoden und der fehlende Praxis im Unterricht gehört, aber auch von den außergewöhnlichen Bedingungen, auf die ein ehemaliger Schüler einer Schule im Erfurt II-Design nur andächtig schauen kann. So verfügen alle Schulen über separate Arztzimmer, wo kranke Schüler direkt behandelt werden können.

Eingeladen wurden wir von Orsolyas Sendai_02_1Arbeitskollegin, deren Sohn diese Schule besucht. So suchten wir zuerst diesen auf, um zu sehen, was sein Club so trieb. Sie verkauften Curry und er hatte gleich etwas Zeit, um uns das Gelände zu zeigen. Dabei kamen wir uns vor wie Zirkustiere. Jeder Japaner war begeistert, Ausländer zu sehen und man versuchte verzweifelt, uns vom Besuch der eigenen Stände zu überzeugen. So viel Einsatz sollte natürlich belohnt werden, so dass wir versuchten, möglichst viele Stände zu unterstützen. Das Fest verteilte sich dabei auf die 7 Etagen der Schule und ein Großteil der 1.000 Schüler war beteiligt. Neben Tanz- und Gesangsveranstaltungen in der Aula wurde in den wirklich gut ausgestatteten Klassenräumen einiges an Abwechslung geboten. Sendai_02_7Zu den Highlights für uns gehörte der Manga-Verkauf des Zeichenclubs. Die Clubmitglieder versuchten dort, selbst gemachte Comics an den Mann zu bringen. Weiterhin gab es beim Teeclub eine Teezeremonie zu besichtigen. Dennis erste Begegnung mit echtem japanischem Tee stand somit an. Ich persönlich fand es dabei eher bezeichnend, dass bei 10 Mädchen, welche uns bedienten, ich immer genau das eine vor mir hatte, welches als einziges einen blau-weißen Kimono anhatte. Selbst in Japan ist mein Geschmack bekannt! Weiterhin besorgten wir uns im Kalligrafieclub einen beschriebenen Fächer und von einem Kunstwerk im Kunstclub ließen wir uns ein signiertes Bild geben. Das Signieren war dabei eine Besonderheit unsererseits. Immer wieder überraschten wir die Japaner damit, dass wir an einer Sendai_02_9Personalisierung interessiert waren. Persönlich finde ich so etwas zwar sowieso immer besser, in Japan sind aber die Leistungen der Gesamtheit normalerweise im Vordergrund. Die Malerin des genialen Kunstwerkes, wovon wir ein Abbild kauften, wusste so zum Beispiel gar nicht, was sie denn bei einer Widmung so schreiben muss. Allen gemein war aber, dass sie sich sehr geehrt fühlten und sehr begeistert waren, dass die einzigen Ausländer auf dem Fest ihre Leistung anerkannten. Nur ein Stand sorgte bei mir für etwas Kopfzerbrechen: Es galt „Schere, Stein und Papier“ gegen Schüler zu spielen. Wer gewann, musste den Gegenüber mit einem Papierfächer schlagen, denn nur so galt der Sieg. Der Gegenüber konnte versuchen, den Schlag mit einer Flasche abzuwehren. Dabei wurde für uns auf Englisch Sendai_02_11gespielt, wobei nach den drei Formen noch einmal von eins bis drei gezählt wurde, ehe das Zeichen gezeigt wurde. Wir begannen alle gleichzeitig. Der erste Gewinner war ich. Dank meiner langen Arme war es ein Leichtes, die Abwehr meiner Gegnerin zu umgehen. Ich schlug so zu, dass sie kaum eine Chance hatte und das Spiel endete 2:1 für mich. Orsolya folgte mit einem weiteren 2:1, wobei bei ihrer Runde viel häufiger die Abwehr zum Einsatz kommen musste, da sich die beiden Kontrahentinnen nichts gönnten. Nur auf Dennis Ergebnis warteten wir vergeblich. Während wir uns noch fragten, was passiert, kam eine verzweifelte Schülerin zu uns und bat, ihm doch bitte die Regeln zu erklären. Dank der deutschen Version des Spiels zeigte er sein Zeichen immer direkt auf drei, wodurch er vor der Japanerin war und das Spiel wurde dadurch ungültig. Die japanischen Erklärungen verstand er nicht, aber auf Deutsch wurde es ihm langsam klar. Im Endeffekt gewann auch er, aber nur, weil die Japanerin aufgab und schnell nach ihm Sendai_02_10das passende Zeichen zeigte, so dass er gewinnen konnte. Trotzdem bedankten sie sich eifrig, dass wir mit ihnen gespielt haben. Im Endeffekt war für alle Gäste etwas dabei: Sport, Verkleidung, Livemusik, sogar kleine Cafés konnten besucht werden und es war nie im Leben genug Zeit, alles mitzumachen. Bei einem neuen Schulfest wäre ich aber auf alle Fälle dabei.

Sendai_02_5Nach dem Fest Sendai_02_4ging es für uns zu Fuß in die Innenstadt, was eine weise Entscheidung meinerseits war. Auf dem Weg fanden wir eine Gruppe von Menschen, welche einige Schreine durch die Innenstadt tragen sollten. Dadurch sollte die Essenz der Götter eingefangen werden. Sendai_02_2Da wir sehr Sendai_02_3interessiert waren und viele Fotos schossen, freundeten wir uns schnell mit den Trägern und den anderen Beteiligten an. Wir folgten ihnen auf der ganzen Strecke, wobei uns an der Seite die Teilnehmer den Umzug erklärten. Besonders beeindruckend war am Ende der Wettkampf. Während die Träger der richtig schweren Goldschreine nach vorne drangen, versuchten einige andere, sie zurückzudrängen. Ein echter Zweikampf entstand, wo es ein Wunder war, dass niemand verletzt wurde. Für die Zuschauer, aber auch für die Träger, war es aber ein riesen Spaß und zu gerne hätte ich auch persönlich mitgemacht.
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Den Abschluss des Tages verbrachten wir dann auf dem Stadtfest. Das Münzenbild war fertig und sah wirklich beeindruckend aus. Und japanisches Budenessen ist dem von deutschen Stadtfesten weitaus überlegen, weshalb wir es als Ersatz für ein traditionelles Abendessen nutzten.
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