Vegalta vs. Tosu

Das Duell der Vögel ist angerichtet! Der Sendaier Phönix in seinen stolzen blau-goldenen Farben tritt an gegen den 8. der Liga, Sagan Tosu, mit einer babyblau-pinken Taube im Logo. Babyblau-Pink, ja solche Farben gibt es hier in der J-League und die Fans sind sogar noch begeistert davon! Tosu ist aber auch ansonsten ein sehr spezieller Verein. Der eigene Slogan auf der Website verspricht in Englisch, dass man die Welt verändern möchte. Man sei mit 20.000 Einwohnern der Verein aus der kleinsten Stadt der J-League und hat eigentlich nichts, keine Anlagen, keine Sponsoren. Man verbringt seine Tage eigentlich nur im Matsch, den Ball verfolgend, und dieses Jahr möchte man endlich das große Ziel erreichen, die Meisterschaft. Gut, das ist wahrlich überhaupt nicht pathetisch und als Sponsor wäre ich begeistert, wenn mein Verein damit Werbung macht, das er ja eigentlich keine Unterstützung bekommt. Aber andere Länder, andere Sitten. Letztes Jahr war man auf jeden Fall nahe am Traum der Meisterschafft. Bis zum 18. Spieltag trohnte man auf dem ersten Platz und ganz Japan fragte, wer dieses Team, welches so befreit mit frischem Angriffsfußball auftrumpfte, noch aufhalten soll. Die Antwort kam, wie es so oft im Fußball üblich ist, aus den Reihen des eigenem Managements und führte zur überraschenden Entlassung des Trainers, der den Oberen zu mächtig geworden war. Leider hatte der Trainer aber doch einen großen Anteil an den Leistungen der Saison und Tosu sackte ab und erreichte mit Mühe und Not noch einen internationalen Platz. Für eine Stadt wie Tosu ist solch eine Leistung aber doch vergleichbar mit einer Meisterschaft.

Diese Saison ist man mit hohen Zielen gestartet, aber relativ schnell geerdet worden, wodurch der 11. der Liga, Vegalta, gegen den 8., Tosu, spielte. Das Spiel selber startete, wie das letzte Spiel aufgehört hatte. Vegalta kombinierte und spielte einen Querpass nach dem anderen vor dem Tor. Zu allem Überfluss war auch noch Wilson verletzt und das ganze Stadion fragte sich, wer denn eigentlich so noch ein Tor schießen sollte. Die erste Halbzeit war im Endeffekt zum Vergessen. Vegalta war überraschend stärker in der Kombination als Tosu, konnte daraus aber keinen Gewinn schlagen. Tosu dagegen hatte letzte Woche 6 Gegentore gegen den 1. der Liga, Urawa, kassiert und war stark darum bemüht, derartiges nicht noch einmal zuzulassen. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nach einer langweiligen Nullnummer im Sonnenschein aus. In der zweiten Halbzeit sollte sich das aber von einem Moment auf den anderen ändern. In der 48. Minute eröffnete Ryang mit einem Sonntagsschuß das Torfestival. Keine drei Minuten später, Tosu sammelte sich noch, gelang Kanazono gleich das zweite Tor und das Stadion stand Kopf. Nichts deutete auf ein Tor hin und nachdem Vegalta endlich einmal beherzigte, was wir schon seit Wochen kritisieren und einfach mal abzog, schien das Spiel endgültig entschieden: Während Tosu sichtlich aufgab, legte Vegalta nach. Es wurde fast ein Einbahnstraßenfußball. Tosu machte hecktisch auf und Vegalta konterte mit schnellen Vorstößen. In der 68. Minute folgte Treffer Nummer 3 durch Kanazono und den Abschluss machten Nozawa und Kim mit einem Doppelpack in der 74. und 77. Minute. Eigentlich hätte das Ergebnis noch viel höher ausfallen müssen, weil Sagan sichtlich von der Rolle war, aber Lopes und einige andere ließen zu viele Chancen durch unnötige Spielchen liegen, worüber sich heute aber niemand aufregte. Wenn Sendai das Problem noch abstellen kann, dann sollte der Abstieg aber auf jeden Fall dieses Jahr kein Thema sein. Für mich war es dazu noch der höchste Sieg von Vegalta, was mich sehr freute, da es meinem Abschiedsspiel doch einen würdigen Rahmen gab. Trotzdem werde ich den Fußball hier vermissen und freue mich schon, wenn ich das nächste Mal hier ein Spiel in meiner zweiten Heimat ansehen kann. Bis dahin heißt es halt 3. Liga mit dem 1. FC Magdeburg, was nun auch nicht die schlechteste Aussicht ist!

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Nächtliche Reparaturen

Ich rühme mich ja eigentlich damit, dass mir zwar relativ viele elektronische Geräte mit der Zeit kaputt gehen, aber ich viele davon auch wieder selbst repariert bekomme. So ist zwar Orsolyas Laptop während meiner Abwesenheit in Deutschland nicht mehr hochgefahren, nach meiner Rückkehr läuft er aber wieder und zudem habe ich noch das schlecht laufende DVD-Laufwerk durch ein Blu-Ray-Laufwerk ersetzt und den Ram aufgestockt. Auch ansonsten bin ich bei Reparaturarbeiten immer ganz vorne mit dabei und aus meiner Sicht auch ganz gut darin. Heute stellte mich Japan, dieses ultramoderne Land mit sprechenden Toiletten und anderen technischen Spielereien, dann aber doch mal wieder vor große Probleme. In meiner Wohnung hängt eine Deckenlampe. Soweit ist das ja normal, wäre da nicht der Bindfaden, welcher an der Lampe hängt und die Lampe steuert. Durch ziehen werden drei Helligkeiten und der Ausschalter betätigt. Schlecht ist es nur in dieser Situation, wenn ein Europäer mit viel zu viel Kraft an diesem Bindfaden zieht und ihn auf einmal um 1.00 Uhr morgens abgerissen in der Hand hält. Tja, jetzt war guter Rat teuer, schließlich verfügt die Lampe über keinen konventionellen Ausschalter und im Schlafzimmer ist Festtagsbeleuchtung nicht immer ideal. Kurzerhand entschied ich, mir die Lampe einmal genauer anzusehen.

Zu diesem Zweck galt es, erst einmal den Strom wegzubekommen. Ohne Ausschalter oder ähnliches blieb nur das Ziehen der Sicherung, welche aber wiederum sowohl das Wohn- als auch das Schlafzimmer mit Licht versorgt und so stand ich auf einmal im Dunkeln. Zum Glück haben ja viele Handys heute eine Taschenlampe und so hielt ich diese irgendwie fest, während ich die Situation genauer untersuchte. Die Lampe verfügte über genau 7 Schrauben, vier große und drei kleine, welche nur per Präzisionsschraubenzieher zu lösen sein würden. Weiterhin ließen sich die zwei kreisförmigen Leuchtelemente leicht entfernen, da sie nur mit einem Metallbügel und vier nadelgroßen Stromanschlüssen mit der Lampe verbunden waren. Das Stück abgerissener Bindfaden, was noch mit der Lampe verbunden sein musste, war nicht aufzufinden, da es allem Anschein nach über der Lampe, welche der Länge nach an der Decke hing, im Gehäuse sein musste. Kurzentschlossen löste ich die vier dicken Schrauben und es geschah nichts. Keinen Millimeter bewegte sich die Lampe und selbst mit Gewalt konnte ich sie nicht von der Decke lösen. Also suchte ich einen Präzisionsschraubenzieher und löste die drei Minischrauben, in der Hoffnung, darunter noch eine Verankerung in der Decke zu finden. Bei dem Versuch blieb es aber. Es löste sich nur eine Abdeckung, welche die Platine der Lampe freigab. Selbst nach der Entfernung der Platine war keine weitere Deckenverankerung zu finden. Immerhin, endlich konnte ich das kleine Stück des Fadens finden und den abgerissenen Teil wieder anbinden. Die Frage war nur, wie es jetzt weitergehen sollte. Der Faden war zwar wieder lang genug, aber irgendwie musste ich ihn über das Gehäuse heben und über einen 2 Millimeter breiten Pfad 6 cm weit transportieren. Das war nicht einfach, kann ich sagen. Im Endeffekt benutzte ich ein Essstäbchen, an das ich den Faden band und machte mit Gewalt genug Platz, um den Faden durchzuführen, was mit Hauen und Stechen auch gelang. Endlich konnte ich alles wieder zusammenbauen und es funktionierte überraschend aber alles noch. Lampen mit Lichtschaltern bevorzuge ich aber trotzdem weiterhin. Bei den vielen Sachen, welche ich aus Japan gerne importieren würde, diese verfluchten Lampen sind keine davon. Ich bin so froh, dass ich das Problem nach harter Arbeit noch irgendwie lösen konnte. Den Faden fasse ich auf jeden Fall nur noch mit Fingerspitzen an!

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Die Bahn in Japan kann auch unpünktlich sein

Es gibt viele Sachen, an welche man sich gewöhnt, wenn man eine Weile in Japan gelebt hat. Diese gewohnte Freundlichkeit und das Niveau der Japaner lässt einen innerlich immer zusammenzucken, wenn man wieder einmal auf einen ungehobelten Ausländer trifft, welcher sich nicht zu benehmen weiß. Auch das Verbeugen geht mit der Zeit ins Blut, aber auch die Pünktlichkeit der Bahn ist hierzulande legendär. Nur einmal, und dann bei einer Regionalbahn, habe ich hier eine Verspätung erlebt. Ich spreche hier noch nicht einmal von den 1-Stunden-Verspätungen, wie die Bahn sie auf meinen Strecken in Deutschland gerne mal hat, sondern noch nicht einmal 1 Minute ist ein Zug hierzulande zu spät. Nach all der Erfahrung ist die Überraschung für jemanden aber umso größer, wenn es doch einmal passiert. Nachdem meine Forschungen in Tokyo endlich abgeschlossen waren, hieß es heute für mich, die Sachen zu packen und zurück nach Sendai zu reisen. Zeit wurde es, ich vermisste meine Millionenstadt an der Ostküste schon sehr und kann mir immer noch nicht vorstellen, wie es sein soll, nicht zu wissen, wann ich das nächste Mal hierher zurückkomme. Auch Orsolyas Vater konnte endlich von der Schönheit des Landes überzeugt werden und er hatte unter Schwüren, dass er wiederkommt, wieder im Flugzeug Platz genommen. Um etwas Zeit zu sparen, entschieden wir uns, mit dem Zug heimzufahren.

So standen wir also auf der Abfahrplattform des Tokyoter Bahnhofes, als plötzlich die Erde bebte. Das ansich ist nichts besonderes, schließlich bebt die Erde in Japan regelmäßig, nur die Dauer des Bebens überraschte. Kaum hatte es aufgehört, ging es dann auf einmal schon wieder weiter und diesmal länger und stärker, so dass alles auf dem Bahnhof wackelte. Böse Erinnerungen an das große Erdbeben 2011 kamen auf und einigen der Wartenden war der Schrecken sichtlich in die Knie gefahren. Schließlich hatten die Meisten, die jetzt nach Sendai fahren wollten, im Jahr 2011 das große Erdbeben live miterlebt und werden es wohl nie vergessen. Zu unserem Glück war es aber nicht das große Erdbeben, welches seit Jahrzehnten in Tokyo überfällig ist, sondern nur ein Seebeben an der Küste Tokyos. Damit war das Desaster aber trotzdem angerichtet. Unser Zug fuhr zwar ein, wir wurden aber aufgefordert, bitte noch nicht einzusteigen, während die Strecke und der Zug überprüft wurden. Sie hatten es dabei noch nicht einmal geschafft, den Zug an der richtigen Stelle zu parken und waren darüber sichtlich selber überrascht, als einige besorgte Japaner dem Bahnpersonal von diesem Problem berichteten. Nach zehn Minuten konnten wir dann doch einsteigen und in mir keimte die Hoffnung, bald zu Hause zu sein. Leider wurde daraus nicht. Der Bahnmitarbeiter entschuldigte zwar seine Kollegen regelmäßig, es war aber ein Zug auf der Strecke liegengeblieben und wir kamen nicht aus Tokyo heraus. Mehr noch, die Entschuldigungen des Bahnmitarbeiters klangen sehr leidend und obwohl er ja eindeutig nichts für zugdie Probleme konnte, klang er, als ob er befürchtete, gleich rituellen Selbstmord für das Versagen nehmen zu müssen. Dazu kam es hoffentlich nicht, wir steckten aber halt trotzdem fest. Schlimmer noch, es war nicht klar, wie lange es noch dauern sollte. Es vergingen zwei Stunden, während wir im Zug auf dem Bahnhof gefangen waren und mit ansehen mussten, wie auch noch alle Läden im Schnellzugbereich schlossen und wir damit auch noch von Lebensmitteln und Getränken abgeschnitten wurden. Endlich, nach zwei Stunden, setzte sich der Zug in Bewegung und aus unserem Schnellzug, welcher eigentlich nur an drei Stationen halten sollte, wurde die langsame Edition, welche jede Station anlief, um auch die Nachzügler, deren Züge ganz wegfielen, nach Hause zu bringen.

Ich muss sagen, ich habe schon viele Zugprobleme miterlebt, aber dieses war das unkomplizierteste und durchorganisierteste von allen. Keiner der Kunden murrte, es gab regelmäßige Durchsagen und bei der Ankunft am Bahnhof lange nach Mitternacht gab es beim Auschecken unkompliziert einen Stempel auf die Karte, mit der wir morgen den halben Fahrpreis zurückbekommen werden. Unkomplizierter geht es nicht. Bei einigen der Sachen könnte sich die Bahn in Deutschland da wirklich einmal eine Scheibe abschneiden.

Was wir aber danach sahen, war ein Schauspiel sondergleichen: In Sendai regnete es und nach Mitternacht ist der gesamte Nahverkehr der Stadt eingestellt. Nicht einmal Nachtbusse verkehren und dementsprechend scharten sich die Leute um die Taxistände, welche heute extremen Umsatz machen sollten. Während sich aber in Europa nun Gespräche entwickeln würden, welche zu Fahrgemeinschaften führen würden, wenn man in die selbe Richtung möchte, so fuhr hier wirklich jeder für sich. Es bildeten sich drei Schlangen mit jeweils 150 Leuten und im Minutentakt kamen Taxis angerauscht, welche eine einzelne Person in Sekunden aufnahmen und dann mit quietschenden Reifen wieder losfuhren. Tja, so kann man auch seine Wirtschaft unterstützen. Ich war nur froh, relativ weit vorne in der Schlange gewesen zu sein, wodurch ich nach zehn Minuten endlich endgültig Richtung Heimat aufbrechen konnte.

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Im Fischmarkt

fisch2Es gibt einige Sachen, welche ich in Tokyo schon gesehen habe, der sagenumwobene Fischmarkt gehörte bisher nicht dazu. Es muss auf jeden Fall ein großes Schauspiel sein: Jeden Morgen um 5.00 Uhr treffen sich die örtlichen Restaurantchefs auf dem Markt, um die besten Thunfische frisch für ihr Restaurant zu kaufen. Dabei werden unvorstellbare Höchstpreise erreicht. Eine begrenzte Anzahl an Besuchern hat die Möglichkeit, diese Auktion zu verfolgen. Ich selber habe schon mehrere Anläufe genommen, um die Auktion mitzuerleben. Aber jedes Mal, wenn ich im dazugehörigen Stadtteil im Hotel war, konnte ich meinen Mitstreiter Dennis nicht davon überzeugen, rechtzeitig beim Markt aufzuschlagen, da dieser doch den Schlaf bevorzugt. Allgemein empfehle ich jedem, der den Fischmarkt besuchen will, sich ein Hotel in der Umgebung des Marktes zu suchen, da zur Öffnung des Marktes in Tokyo noch keine U-Bahn fährt und man auf Taxis angewiesen wäre, um den Markt zu erreichen. Wenn man dann keinen der begehrten Plätze im Markt bekommt, dann ärgert man sich natürlich nach der teuren Taxifahrt doppelt.

Orsolyas Vater und seine Frau wollten auf jeden Fall den Markt sehen und diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Da der Fischmarkt um 3.30 Uhr aufmacht und um 7.00 Uhr schon alles vorbei ist, sollte sich so ein Besuch auch nicht negativ auf meine Forschungen auswirken. Also sagte ich zu und stand um 3.30 Uhr am Treffpunkt bereit, um zum Markt zu laufen. Gut, wirklich schwergefallen ist mir das nicht, es war nicht so, als ob ich vorher geschlafen hätte! Nein, der FCM spielte in dieser Nacht und so entschied ich, gleich wach zu bleiben, da ich eh nicht hätte schlafen können. Mit Glücksbringer aus Hachinohe bewaffnet verfolgte ich so das Hinspiel des FCM gegen Offenbach und ließ das ganze Gebiet erwachen, als endlich das erlösende 1:0 fiel. Während ich also wartete und immer noch den Ticker verfolgte, geschah genau wie erwartet – nichts. Die eigentlichen Verursacher des frühen Aufstehens schafften es selber nicht rechtzeitig aus dem Bett und ehe sie überhaupt da waren, war das Spiel auch schon zu Ende und alle meine Müdigkeit komplett verschwunden. Um 3.50 Uhr erschienen sie endlich, Unpünktlichkeit muss eine ungarische Spezialität sein, und wir konnten uns auf den 20 Minuten langen Fußmarsch machen. Dank unserer Ortskenntnisse schafften wir es relativ zügig zum Markt, aber es kam, wie es kommen musste: Als wir kurz nach 4.00 Uhr am Markt eintrafen, war natürlich alles schon ausgebucht. 60 Plätze sind wohl zu vergeben und nur wer es vor 4.00 Uhr zum Markt schafft, hat auch eine realistische Chance, dem Spektakel beizuwohnen.

fisch1Gut, manchmal hat man halt Pech und dementsprechend blieb uns nichts anderes übrig, als den Rest des Marktes zu erkunden. Es gibt dort nur kleinere Orte, die man sich ansehen darf. Zum einen wäre da der Restaurantbereich, in welchem man den örtlichen Fisch direkt probieren kann und zum anderen gibt es eine Einkaufshalle. Diese riesige Halle ist eigentlich für Großhändler bestimmt, unter Umständen darf man aber auch hinein, wenn man etwas kauft. Dies gaben wir auch vor und schauten uns um. Es gab eine derartig große Auswahl, dass es bei weitem nicht immer klar war, auf was für Fisch man gerade schaute. Leider war der Besuch nur von kurzer Dauer. Orsolya und mir in unserem Outfit wurde der Einkaufsplan auch abgenommen. Aber es war leider der Vater, welcher im besten Touristenoutfit mit kurzer Hose und Schlappen herausstach und eine Wache auf den Plan rief, die ihn aufforderte, doch bitte die Halle zu verlassen. Egal, so gab es halt um 6.00 Uhr auf dem Markt Fisch zum Frühstück und der Tag konnte trotzdem noch gut anfangen. Etwas enttäuscht war ich dann nur einige Tage später. Für zwei Tage hieß es beim Abendbrot immer, dass man ja unbedingt den Fischmarkt noch einmal sehen möchte. Da die Frauen streikten, bot ich mich als Partner für den Fischmarktbesuch an, aber im Endeffekt verschlief Orsolyas Vater und ich war umsonst wach geblieben. Aber gut, so habe ich wenigstens beim nächsten Japanbesuch noch eine Sehenswürdigkeit in Tokyo auf der Liste!

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Tokyo und die Forschung

Auch wenn es in meinen Berichten nicht so aussehen mag, ich befinde mich dieses Mal im Rahmen einer Forschungsreise in Japan. Natürlich heißt das nicht, dass ich 24 Stunden am Tag im Büro eingesperrt bin, aber meine Berichte umfassen aus gutem Grund zumeist die Wochenenden, wo ich ein wenig Zeit für andere Sachen finde. Eigentlich verbringe ich die meiste Zeit in der Uni, wo ich momentan eine neue Quelle gefunden habe, welche ich übersetze. Ich kann nur sagen, dass Japanisch von vor zweihundert Jahren schon nervig ist, aber eines, das dazu noch zu bestimmten Spezialthemen verwendet wurde, ist wirklich bescheiden!

Aber im Endeffekt sollte diese Reise nicht nur Sendai beinhalten, sondern die OAG in Tokyo und die Todai erwarteten ebenfalls meine Aufwartung. Besonders an der Todai gab es einiges, was ich an Material zusammensuchen wollte. Aus diesem Grund ging es für eine Forschungsreise nach Tokyo. Orsolya begab sich gleichzeitig auch nach Tokyo, um ihren Vater in Empfang zu nehmen, weshalb das Wohnen etwas preiswerter wurde. Trotz allem war die Tour aber keine Vergnügungsreise und zuerst ging es deshalb für mich zur Todai. Dort angekommen begeisterten mich einmal mehr die japanischen Fremdsprachenkenntnisse:

Ich bestellte ein Buch, welches ich schon vor zwei Monaten bestellt hatte und auf einmal erhielt ich den zweiten Teil dieses Werkes, den ich bisher nicht kannte, gleich noch dazu. Wie sich herausstellte, hatte die Bibliothek ein Problem mit dem Autor. Ludwig Rieß hat einen Namen, welchen Japaner so nicht schreiben können. Normalerweise wird er deshalb als Ludwig Riess geschrieben. In diesem speziellen Fall wurde seine Unterrichtsmitschrift im ersten Buch unter diesem Namen abgelegt, der zweite Teil aber unter Ludwieg Liess, da dem japanischem Alphabet der Unterschied zwischen L und R nicht bekannt ist und die Umschrift deshalb immer einem Glücksspiel gleicht. Wie es nun kommt, dass zwei eindeutig zusammengehörende Bücher zwei verschiedene Autorenschreibweisen haben, lässt sich nicht feststellen, aber immerhin stellte die Bibliothek diesmal die Zusammengehörigkeit fest und überließ mir nun beide Werke. Zwar durfte ich keine Kopien des Werkes anfertigen, aber immerhin nutzte ich die Zeit, um das Buch in der Bibliothek ausgiebig zu bearbeiten und in unbemerkten Momenten Fotos der der Unterrichtsmitschrift anzufertigen. Dadurch kann ich jetzt im Endeffekt das Werk auch in Deutschland betrachten. Die Frage ist aber, wie man bitte anständig forschen soll, wenn man noch nicht einmal bei der eindeutigen Bestellung eines Werkes genau dieses auch bekommt!

In Sendai ist mir dazu das Gleiche geschehen: Über ein Jahr suche ich alles Material zusammen, was wir über Deutsche in Japan zur Verfügung haben und jetzt, am Ende meiner Reise, entdeckt man auf einmal noch ein weiteres Werk, welches ich gut gebrauchen kann. Ich muss es jetzt in Eile übersetzen, wofür ich vorher viel mehr Zeit für gehabt hätte. Die späte Entdeckung lag aber einmal mehr nicht an mir, sondern man schaffte es nicht, den Autor unter seinem Namen abzulegen, sondern man verwechselte Vor- und Nachname. Obwohl ich beide Versionen versuchte und selbst einen Nachforschungsauftrag abgab, schaffte man es erst jetzt, das Werk zu entdecken.

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Fußball gegen Kofu

Die Woche ist mal wieder rum und das Wochenende ruft. Wenn ich es schon leider nicht schaffe, zum Fußball in Magdeburg zu gehen, dann nehme ich wenigstens mein Rad und mache mich auf, um die blau-gelben Phönixe aus Sendai zu sehen. Was für ein Glück ich habe, wenigstens eine Farbe ist sogar die Richtige!

Heute spielte Vegalta gegen Kofu, einen vermeintlichen Aufbaugegner für Sendai. Schließlich hatte Vegalta zuletzt in atemberaubenden Spielen der bisher unbesiegten „roten Armee“ von Urawa Red Diamonds einen Zähler in einer 4:4 Schlacht abringen können und in Niigata dazu noch einen Auswärtssieg gefeiert. Besonders das Spiel gegen Urawa empfehle ich dabei jedem, der einmal japanische Fußballleidenschaft erleben möchte. Urawa gilt als die lautstärkste Fangemeinschaft Japans. Sendai dagegen wird aufgrund seiner geografischen Lage zumeist von seinen Gegnern als hinterwäldlerisch belächelt. Die Fans schaffen es aber, eine Stimmung in das Stadion zu bringen, die bis auf Urawa jedem gegnerischen Verein in Japan um Längen überlegen ist. Bei dem Treffen der Fangiganten und dem Spielverlauf, welcher zum 4:4 führte, kann man sich vorstellen, welche Stimmung entstand. Selbst der TV Moderator musste seine Crew im Kamerawagen befragen, ob es denn überhaupt noch Sinn macht zu sprechen, da er sich nicht sicher war, ob er überhaupt zu verstehen sei und das live vor der Kamera.

Diesmal stand aber Kofu auf dem Plan. Das ist ein Kandidat für den Abstieg, welchem man auf jeden Fall keine Punkte überlassen sollte, wenn man nicht selber Gefahr laufen will, in den Abstiegsstrudel zu gelangen. Kofu; momentan auf einem Abstiegsplatz gelegen, erwartete also ein schweres Spiel gegen eine Mannschaft, welche zurecht mit breiter Brust auftreten konnte. Leider geschah genau das, was nicht passieren sollte und die Spieler waren zu sehr von sich überzeugt. Arrogant lief man gegen den Gegner an und niemand traute sich, einfach mal abzuziehen. Querpass um Querpass kurz vor dem Tor ließen die Frage aufkommen, ob die Spieler bei Fehlschüssen eine Strafe erwartet oder ob man im Kopf nur plante, wie man ein Tor des Monats erreichen kann. Sie schafften es nicht auch nur einen gescheiten Schuss aufs Tor abzugeben und das auf beiden Seiten. In solchen Situationen hilft es dann auch Vegalta nicht, dass ihr Torwart gerade in einem Trainingscamp der japanischen Nationalmannschaft war und Vegalta somit über einen Nationalspieler verfügt. Dabei kombinierte man an sich noch nicht einmal schlecht, aber Zählbares kam dabei nicht heraus. Bei Kofu war es bis auf eine Situation auch nicht wirklich besser. Als alles schon nach einem Unentschieden aussah, passierte aber einmal mehr eine Unaufmerksamkeit in Vegaltas Abwehr, früher einmal der Stolz des Vereins, und es fiel wie zu erwarten der Gegentreffer. Nach diesem Gegentreffer erwachte Sendai etwas, wirkliche Stimmung wollte aber weder auf dem Platz noch auf den Rängen aufkommen. Die Fans quittierten die Leistung mit lautem Pfeifen. Das 1. Mal habe ich erlebt, wie hier in Sendai wirklich das ganze Stadion protestiert. Im Endeffekt war es mir aber egal, denn keine Minute nach dem Abpfiff saß ich schon am nächsten Ticker, um Magdeburgs letztes Spiel für eine hoffentlich lange Zeit in der Regionalliga zu verfolgen. Im Endeffekt muss man halt doch Prioritäten setzen!

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Das Meer ruft

2015 05 17 Hachinohe3Hachinohe, was gibt es da eigentlich? Das ist eine sehr berechtigte Frage. Der normale Deutsche hat noch nicht unbedingt von diesem Ort gehört und während meiner 2 Reisen in diesem Ort habe ich bisher genau einen Ausländer getroffen. Eigentlich ist das verwunderlich, denn die Küste von Hachinohe ist doch als eine der schönsten Japans einzuordnen. Da das Wetter in Hachinohe dem regnerischen Wetter in Sendai um Längen überlegen war, ging es aus diesem Grund genau dort hin. Nur ein paar Kilometer sind zur Küste zurückzulegen. Wo soll es da schon groß Probleme geben? Tja, interessanterweise ist Orsolya kein Dennis und beschwerte sich über unseren kleinen Spaziergang. Nichtsdestotrotz fanden wir den Weg und landeten beim Möwentempel.

Der Möwentempel ist ein Ort, den man einfach erlebt haben muss, um es zu glauben. Errichtet wurde er auf einem Felsen im Meer. Er ist ganz den Seemöwen gewidmet und diese haben das Angebot dankend angenommen. Schon von Weitem sieht man die schwarzen Wolken und schon hundert Meter vor dem Ziel wird man vom lautem Gekrächze der Möwen begrüßt. Der Tempel selber ist auf jeden Fall einen Besuch wert, da man aufgrund seiner Lage auf einem Felsen einen schönen Ausblick auf das Meer hat. Sein Gimmick ist aber gleichzeitig das größte Problem. Egal, wo man hintritt, überall besteht die Gefahr, auf eine Möwe zu treten und damit vielleicht eine Attacke zu riskieren, welche wohl Hitchcock zu

   2015 05 17 Hachinohe4        2015 05 17 Hachinohe6        2015 05 17 Hachinohe5       2015 05 17 Hachinohe9seinem Klassiker „Die Vögel“ inspiriert haben könnte. Und wirklich, sie sitzen überall: zwischen den Treppenstufen zum Brüten, auf der Treppe, im Tempel und auf Statuen. Zu den unzähligen Möwen auf dem Boden kommt dann noch einmal die gleiche Menge in der Luft, den Wind zum Gleiten nutzend. Wie ein Wunder war es aber unser glücklicher Tag. Zum einen erwarb ich einen Glücksbringer zum Fußballerfolg, der erste, der mir in Japan so direkt über den Weg gelaufen ist und zum anderen schafften wir es in trockenen Sachen wieder heraus. Das ist keine selbstverständliche Sache, wie uns später Einheimische berichteten. Demnach sind drei bis vier Treffer in Form von Vogelkot normal. Wir hatten also wirklich Glück.

 

Im Anschluss an den Tempel ruhten wir uns erst einmal am örtlichen Strand aus. Obwohl ich hier vor fünf Jahren schon mal gebadet habe, reichte es bei sommerlichen zwanzig Grad dann diesmal nur für die Füße, da das Meerwasser doch noch recht kühl war. Zu meiner Freude trafen wir aber einen alten Bekannten. Es war ein japanischer Rentner, welcher wohl täglich an die Strände von Hachinohe fährt und dort ein Tanzprogramm zur Fitness absolviert. Vor fünf Jahren trafen wir ihn schon an 2 verschiedenen Stränden und er ist immer noch fit genug dafür. Fit genug sind aber auch wir und so ging es die 20 Kilometer bis zum nächsten Strand entlang des Meeres zuerst per Fuß weiter. Eigentlich war geplant, bei Ermüdungserscheinungen mit dem Bus weiterzufahren, nur leider verpassten wir diesen, so dass ich 10 Kilometer vor dem Ziel einer meuternden Ungarin gegenüberstand. So etwas wäre mir mit Dennis nie passiert…..!

2015 05 17 Hachinohe1 2015 05 17 Hachinohe2

Ein Brite (übrigens der einzige Ausländer, welchen ich bisher in Hachinohe gesehen habe) fuhr gerade in diesem Moment mit dem Auto an uns vorbei. Erhielt an und fragte, ob er uns mitnehmen kann. So schafften wir es doch noch relativ entspannt zum Strand, welcher schon für eine Vielzahl von japanischen TV-Serien für Filmaufnahmen herhalten musste. Dort probierten wir gleich noch einmal das Wasser, es wurde aber irgendwie nicht wärmer. So spazierten wir noch 1 1/2 Stunden auf einem Weg am Meer entlang, welcher uns von dem Briten empfohlen wurde. Das war eine wirklich schöne Strecke, welche neben dem Strand auch noch einige schöne Kliffe zu bieten hatte. Nach ca. 25 km Laufstrecke erreichten wir dann doch den Zug, um zurück nach Hachinohe zu fahren.

2015 05 17 Hachinohe7In Hachinohe fanden wir dann wieder ein tolles Lokal mit Platz für sechs Leute. Zuerst erschien es uns, als ob wir falsch gewählt hätten. Das Essen war zwar genial, aber der Besitzer erschien uns sehr verschlossen und grimmig. Nachdem wir aber mit einem Paar aus Hachinohe ins Gespräch kamen, weichte auch unser Koch auf. Er berichtete, wie er auch kurz in Hamburg als Koch ausgebildet wurde und wie das Leben mit einem solchen Minirestaurant funktioniert. Das Paar dagegen kommt noch diesen Monat als Teil einer Bigband zu einem Jazzfestival nach Sendai, wo wir uns eventuell noch einmal treffen 2015 05 17 Hachinohe8wollen. Dazu tauschten wir unsere Telefonnummern und E-Mail-Adressen austauschten. Die Menschen in Hachinohe sind auf jedem Fall ziemlich freundlich und ich werde dieses japanische Kleinod schon irgendwie vermissen. Wobei, alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei! Das Problem dürfte dabei wohl nur Orsolya sein, der es zwar auch sehr gefallen hat, die mir aber aus unerfindlichen Gründen nicht mehr glaubt, wenn ich von kurzen Spaziergängen spreche. Am nächsten Morgen ging es dann zurück nach Sendai, wo noch genug Forschungen auf mich warten. Der kleine Abstecher hat mir aber sehr gut getan, um die Batterien wieder aufzuladen und ich bereue ihn wahrlich nicht.

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Hachinohe ruft

Die ganze Nacht über schüttete es in Sendai. Nachdem diese Woche schon ein Ausläufer eines Taifuns Sendai 2015 05 16 Hachinohe3traf, hat uns jetzt auch noch so eine Regenfront getroffen und das auch noch passend zum größten Stadtfest, dem Abo-Festival. Aber, was sage ich? Solche Kleinigkeiten können mich gar nicht treffen, denn für mich geht es ab in eine andere Stadt: Vor 5 Jahren sind Dennis und ich zufällig in einem Ort gelandet, den ich vorher noch nie auf der Karte hatte. Hachinohe, am nordöstlichen Teil der Hauptinsel gelegen, ist ein relativ kleiner, beschaulicher Ort ohne viele ausländische Touristen und mit vielen malerischen Küstenstreifen. Aufgrund des Mangels an Ausländern in der Stadt entschieden Dennis und ich schon vor fünf Jahren, dass Hachinohe unser geheimes Versteck wird, hier findet uns niemand. In Anbetracht der Tatsache, dass es in wenigen Wochen wieder zurück nach Deutschland gehen soll, war es natürlich keine Frage, dass ich einmal nachschaue, wie es um meinen „Geheimort“ so bestellt ist. Aus diesem Grund ging es am frühen Nachmittag mit dem Zug und Orsolya im Anhang hinauf in den Norden.

Schon unsere Ankunft zeigte uns, dass meine Erinnerungen mich nicht getäuscht haben. Hachinohe macht es den Touristen nicht leicht, es auf den ersten Blick zu mögen. Nach dem modernen Shinkansenbahnhof sieht man sich gezwungen, mit einer Regionalbahn in einen ziemlich verkommenen Kleinbahnhof zu fahren, um von dort den nicht ausgeschilderten Weg in die Innenstadt zu suchen. Auf dem Weg dorthin kommt man an geschlossenen Geschäften und heruntergekommenen Häusern vorbei, so dass man sich schon langsam die Frage stellen kann, wo man denn nun gelandet ist. Erst ab der Innenstadt verbessert sich die Lage. Sie ist zwar auch nicht umwerfend und ein Tokyo oder Sendai braucht man nicht erwarten, aber immerhin füllt sich der Stadtteil mit Leben und es gibt sogar unvernagelte Geschäfte. Trotz fünf Jahren kam auch meine Erinnerung schnell wieder und es wurde kein Problem, unser Hotel zu finden, in dem wir schon erwartet wurden. Wie es aussah, spekulierte man schon, wieso auf einmal Ausländer kommen und der Portier war sichtlich bemüht, sein Schulenglisch aufzupolieren. Auch ansonsten sahen wir den ganzen Tag keine Ausländer, was mich aber überhaupt nicht störte. In Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde galt es für uns, etwas Essbares aufzutreiben. Das Meer, der eigentliche Höhepunkt der Stadt, können wir immer noch morgen besuchen.

2015 05 16 Hachinohe2Für das leibliche Wohl wird in Hachinohe in einer Essensmeile gesorgt. In kleinsten Läden mit 6 bis 8 Sitzplätzen servieren Japaner aller Altersgruppen eine reichhaltige Auswahl von Speisen. Als Hafenstadt bestimmt dabei besonders der Fisch die Speisekarten, aber auch Nudeln und Oden sind vielerorts zu finden. Es ist gar keine leichte Entscheidung, bei all den Ständen den richtigen Stand zu finden. Unsere Entscheidung fiel im Endeffekt auf einen kleinen Eckladen, in dem schon drei ältere2015 05 16 Hachinohe1 Herrschaften zusammen mit einer gleichaltrigen Besitzerin saßen. Man konnte richtig deren Erbleichen bemerken, als wir den Laden betraten. Ihre Karte war doch nur auf Japanisch und Englisch kann sie doch erst recht nicht. Erst als wir auf Japanisch loslegten, atmete sie lautstark auf und war erleichtert. Die drei Männer waren dagegen von vornherein Feuer und Flamme. Sie stellten sich als Schulfreunde vor, die heute als Rentner regelmäßig auf „Angeltrips“ gehen. Jedenfalls erzählen sie das ihren Frauen und wenn sie dann manchmal noch einen Fisch fangen, dann glauben diese Ihnen das auch. Ausländer, so etwas trifft man ja selten und so wurde aus unserem kurzen Abendbrot ein zweistündiger Aufenthalt, bei dem wir die drei durch Sake gut angeheiterten Herrschaften unterhielten. Leider war es schwer, alles zu verstehen, aber im Unterricht wurde leider nie betrunkenes Japanisch unterrichtet, eigentlich eine Marktlücke. Aber neben dem Spaß erhielten wir auch immer wieder Essen von ihnen serviert, da sie der Überzeugung waren, wir müssen 2015 05 16 Hachinohe4doch traditionelles japanisches Essen kennenlernen. Zu unserer Rettung erschienen dann nach der ersten Stunde noch zwei Freunde, welche immerhin eine Betrunkenjapanisch – Japanisch – Übersetzung für uns vornahmen. Da unsere Umeshu (das ist ein japanischer Likör aus der Ume-Aprikose) sich zu diesem Zeitpunkt dem Ende näherte, versorgten sie uns auch gleich noch mit ihren Sakevorräten, welche man in diesem Laden auf den eigenen Namen lagern kann. So wurde es ein lustiger Abend, auch wenn wohl viel in der Übersetzung verloren ging. Wir haben jetzt auch Kontaktnummern, um die drei Herrschaften wiederzutreffen, falls wir einmal Morika bereisen. Wer weiß, wozu das mal gut ist. Mit ihnen zum Karaoke zu gehen, wollten wir dann überraschenderweise doch nicht. Man muss es ja nicht übertreiben, auch wenn sie alles versuchten, um uns zu überzeugen.

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Der Kundenservice

Es ist wieder einmal passiert: Ein PC von mir gab in Japan seinen Geist auf. Das ist mittlerweile der dritte PC, welcher einen Japanaufenthalt von mir nicht überlebt hat. Diesmal war ich dabei aber noch nicht einmal da. Ich hatte ihn in Sendai gelassen, als ich in Deutschland war und auf einmal wollte er nicht mehr anspringen. Nun gut, wenigstens die Festplatte funktioniert noch. Deshalb entschied ich, mir ein Gehäuse für diese zu besorgen, um sie weiter zu verwenden. So gingen wir heute in den Elektronikladen Labi und ich schnappte mir den ersten Verkäufer. Ein Gehäuse sollte es sein, mit einer Größe von 2,5 Zoll und am besten USB 3.0, das kann doch gar nicht so schwer sein. Dem Verkäufer war das aber nicht geheuer und so verschwand er mit meiner Festplatte im Gepäck zum Kundenservice, um sich die Größe bestätigen zu lassen. Kurze Zeit später kam er zurück und bestätigte, was eh schon alle wussten: Ich brauche ein 2,5-Zoll Gehäuse. Ganze zwei Gehäuse-Hersteller standen dafür zur Verfügung und ich entschied mich für das teurere. Die Gehäuse passen universal auf alle Festplatten, da brauche ich mir gar keine Sorgen machen, versicherte mir der Verkäufer noch.

Da ich dem Ganzen nicht ganz traute, ging es im Anschluss auf eine Treppe am Ausgang des Ladens, wo das Gehäuse gleich ausprobiert wurde. Und siehe da, das Gehäuse ist zu klein. Mehr noch, wenn man nicht vorsichtig ist, kann es durch die Größe sogar noch die Platine der Platte beschädigen. So geht es ja nun nicht und zurück ging es in den Laden. Am Servicecounter erwarteten uns schon drei Japaner. Zuerst zeigten wir das Problem dem Chef. Der traute seinen Augen natürlich nicht und hämmerte meine Festplatte erst einmal mit Gewalt ins Gehäuse. „Passt nicht“, war seine lapidare Antwort. DAS hätte ich ihm auch vorher sagen können, ohne dass er meine Platte in Gefahr bringt! Mit Mühe und Not gelang es ihm, die Platte wieder aus dem Gehäuse zu holen, wo sie zu zwei Dritteln festhing und überreichte sie dem Kundenservice. Mürrisch zog er ab, um mit dem Verkäufer ein ernstes Wort zu reden. Jetzt wird die Platte aber bestimmt umgetauscht, dachte ich mir. Der Techniker wartete, bis der Chef verschwunden war und versuchte es dann noch einmal selber. Er dachte bestimmt, dass der Chef inkompetent ist und der Ausländer aus einem Dritte-Welt-Land kommt, wo es so etwas modernes wie Festplattengehäuse nicht gibt. Diese Gedanken konnte man in seinem Gesicht lesen, als er mit Festplatte und Bedienungsanleitung noch einmal den gleichen Mist versuchte, nur um meine Festplatte wieder im Gehäuse festhängen zu haben. Mir wurde richtig schlecht und ich konnte mir das Trauerspiel nicht mehr anschauen. Zum Glück kam der Chef zurück und entschied, das Gehäuse zurückzunehmen. Ein neues wollte man mir aber auch nicht verkaufen, schließlich sind die Gehäuse alles Standardgrößen und das andere passt da bestimmt auch nicht….

Nun gut, wenn Japan mein Geld nicht haben möchte. Aber jetzt weiß ich wenigstens, dass man bei solchem Kundenservice wirklich nichts zur Reparatur bringen sollte. Ich bin froh, dass die Platte immer noch funktioniert, nachdem sie mit ihr fertig waren. Wenn ich nur vom jetzigen optischen Eindruck ausgehe, scheint nicht viel gefehlt zu haben und ich hätte das Gehäuse nicht mehr benötigt.

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Vegalta vs. Tokyo

Zurück in Japan und besonders in Sendai gibt es eine Sache, welche ich sofort angehen musste. 2015 05 06 Vegalta5Vegalta hat seit meiner Rückkehr nach Deutschland in der Liga nicht mehr gut ausgesehen. Spielte man im März noch erfolgreich mit und erlitt keine Niederlage, so ist der Verein mittlerweile seit 4 Spielen ohne Punkte. Vielleicht hilft ja meine Anwesenheit! Deshalb ging es direkt am Tag nach meiner Ankunft in den Fanshop, um ein Trikot zu besorgen. Das ist gar keine billige Sache, wenn man deutsche Preise dagegen sieht. Aber wer kann schon sagen, wann ich das nächste Mal eine Chance auf ein Vegalta-Trikot habe. Zudem ist das neue Trikot von Adidas und damit doch wirklich in vernünftigen Größen zu kaufen. Im Endeffekt stand ich nur vor dem üblichen Problem: Welcher Spieler soll es denn sein? Vegaltas beste Spieler sind Ausländer oder Söldner, welche nach wenigen Spielzeiten wieder weg sein könnten. Der „Japaner“ im Team, welcher lange im Team ist und sich ziemlich gut verkauft, ist wiederum die Nummer 10. Er ist aber leider gleichzeitig koreanischer Abstammung und2015 05 06 Vegalta4 fiel damit aus meiner Sicht für mein japanisches Trikot heraus. So stand ich also mit Orsolya im Laden und guter Rat war teuer. Nach langem hin und her entschied ich mich für den Spielführer des Teams, Shingo Tomita. Er ist mein Alter, nur einen Monat älter, und seit 2005 im Team. Als defensiver Mittelfeldmann ist er aber bei den Fans weniger beliebt, als es ein offensiver Spieler von Natur aus ist. Jetzt ging alles sehr schnell. In fünf Minuten hatte ich ein neues Trikot mit Beflockung vor mir liegen und einen Japaner vor mir, der mir mit einer Lupe zeigte, dass diese auch wirklich fehlerlos war. Das ist kein Vergleich zu Magdeburg, wo ich mir als Käufer des sündhaft überteuerten Jubiläumstrikots des Clubs vorkam, als ob ich eine lästige Behinderung des Ablaufs im leeren Laden darstellen würde. Hier gibt es wirklichen Kundenservice und mein Trikot wurde in einer extra Sporttasche auch noch an den Ausgang des Ladens getragen, wo es mir feierlich mit einer tiefen Verbeugung übergeben wurde. Jetzt musste es nur noch Glück bringen!

Passenderweise ist Golden Week, die jährliche Urlaubswoche der Japaner, 2015 05 06 Vegalta3und ich konnte mich gleich am nächsten Tag aufmachen, um das Trikot in Aktion zu erleben. Vegalta spielte gegen einen der Geheimtipps des Jahres, den FC Tokyo. Tokyo ist zwar vom Papier her nicht so stark einzuschätzen, wie es Favoriten wie Urawa oder Gamba Osaka sind. Das Team hat aber einen starken Kader, mannschaftliche Geschlossenheit und mit Muto einen überragenden Stürmer, welcher von halb Europa gejagt wird und den angeblich Mainz für sich 2015 05 06 Vegalta2gesichert haben soll. Vegalta dagegen hofft auf Wilson, welcher langsam wieder an seine Normalform heranzukommen scheint. Vor dem Spiel trafen wir aber erst einmal den bekannten Twitterkommentator Yosuke, welcher als einziger in englischer Sprache über Vegalta und auch über die sonst unterrepräsentierten J-League-Vereine berichtet. Der Kontakt ist vor einer Weile über meinen Vater entstanden. Wir tauschten kurz Fanartikel aus. Man muss schließlich die Bekanntheit des 1. FC Magdeburg über die Landesgrenzen hinaus verbreiten! Yosuke ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse, wenn er auch wohl etwas stark vom Fußball besessen ist. Das Spiel betrachteten wir aber lieber mit unseren Freunden, welche sich schon sammelten, um meine Trikotauswahl ausgiebig zu kommentieren.

Das Spiel selber verlief weniger angenehm. Zwar gelang es Vegalta, einen Elfer herauszuholen, Wilson 2015 05 06 Vegalta1vergab diesen aber leider. Im Gegenzug nutzte Tokyo seine erste wirkliche Möglichkeit für einen Torschuss aus, um in Führung zu gehen. Insgesamt ist festzuhalten, dass von Vegaltas taktischem Konzept der ersten Spiele nur noch wenig zu sehen ist. Man läuft viel, versucht aber, den Ball ins Tor zu tragen. Defensiv steht man hingegen, bis auf das 0:1, ziemlich gut. Bei diesem wurde die Bewachung des Torschützen vergessen. Die zweite Halbzeit dagegen wurde kurios. Während wir noch Hoffnungen auf ein Comeback von Vegalta hatten, pfiff der Schiedsrichter einen Elfer für Tokyo. Bis jetzt, auch nach Ansicht der Fernsehbilder, bin ich mir nicht sicher, was er eigentlich gepfiffen hat. Fünf Minuten später kam noch ein Ausrutscher eines Sendaier Verteidigers hinzu, welcher Muto blank vorm Tor stehen ließ und Tokyo war 3:0 vorne. 3:0 in der 54. Minute, ist solch ein Spiel entschieden? Nicht in der J-League! In der 88. Spielminute wachte Vegalta endlich auf und machte, was ich schon das ganze Spiel angemahnt hatte. Man schoss einfach mal aufs Tor und der Ball von Ishikawa ging unhaltbar ins gegnerische Tor. Beflügelt durch das Tor warf Vegalta noch einmal alles nach vorne und schon beim nächsten Angriff hielt Lopes einfach mal drauf und verkürzte auf 2:3 in der 90. Minute. Dank verschiedener Unterbrechungen sollte noch fünf Minuten nachgespielt werden und keinen im Stadion hielt es auf seinem Platz. Ein unendlicher Sturm von anpeitschenden „VE GAL TA Sendai“- Rufen gingen durch das Stadion und die Spieler warfen noch einmal ihre letzte Kraft in die Waagschale. Tokyo hingegen ging über in die stärkste Form des Zeitspiels, welche ich in den letzten Jahren gesehen habe und der Schiedsrichter unterstützte sie dabei mit zweifelhaften Pfiffen. So wurde es leider nichts mit der Wiederauferstehung des Phönix und das Spiel endete mit einer im Endeffekt noch sehr bitteren Niederlage. Nichtsdestotrotz macht diese Niederlage Hoffnung, zeigten doch die letzten Minuten, dass mit Vegalta immer zu rechnen ist und die Spieler anscheinend auch ihr Problem vor dem Tor so langsam verstehen und lösen. Hoffen wir, dass Vegalta es seinem Wappentier wirklich gleich macht und bald wie der Phönix aus der Asche, beziehungsweise aus den unteren Tabellenregionen, hervorbricht! Das Trikot hat zwar nicht dabei geholfen, eine Chance habe ich aber ja noch.

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